Hausboottechnik im Boot


Mehrere Dinge sind bei der Auswahl der richtigen technischen Komponenten zu beachten. Wie viel Platz kann der Technik eingeräumt werden? Wo wird der Platz zur Verfügung stehen, ohne den Trimm zu beeinflussen? Welche Art von Energie benötige ich wofür und wie viel? Wie ist mein Liegeplatz ausgestattet? Wie komme ich an Brennstoffe ran? Wie ist die Frischversorgung und Abwasserentsorgung geregelt?

Energiebedarf

Ermittlung pro Jahr/Tag

Eine bewusste Auswahl und Abstimmung der technischen Geräte hilft den Energiebedarf zu ermitteln und gegebenenfalls zu reduzieren. Wie berechne ich meinen jährlichen Strombedarf? Es gibt dafür eine einfache Formel zur eigenen Stromberechnung vom Bund der Energieverbraucher:

  1. Multiplizieren Sie die Wohnfläche in Quadratmeter mit 9 Kilowattstunden
  2. Multiplizieren Sie die Personenzahl im Haushalt mit 200 Kilowattstunden (Achtung: Wenn das Warmwasser elektrisch erzeugt wird, sollte statt mit 200 mit 550 Kilowattstunden gerechnet werden.)
  3. Multiplizieren Sie die Anzahl der Geräte im Haushalt wie Waschmaschine, Trockner, Kühlschrank, Gefriertruhe, Geschirrspüler, Elektroherd, Mikrowelle, elektrisches Heizgerät, Fernseher, Computer, Beleuchtung, Wasserwerk, Kläranlage, Aggregate, W-LAN-Router, PC usw. mit 200 Kilowattstunden.
  4. Addieren Sie alle drei Zahlen und Sie erhalten Ihren ungefähren jährlichen Strombedarf.

Spitzenbedarf: Um den Spitzenbedarf zu ermitteln, ist es nötig zu überlegen, wie viele Geräte parallel in Betrieb sein könnten. (Ampere x Volt = Watt) Bei Floatinghomes orientiert man sich eher an den Regelungen, die für Einfamilienhaus gelten, da sie festliegend und an das Landstromnetz angeschlossen sind.


Solaranlage

Liegeplatz | Gewicht | Stabilität

Bevor Sie sich für eine Solaranlage entscheiden, sollten Sie einige Dinge beachten:

  1. Hausboote richten sich meist am Liegeplatz und fahrtbedingt in Himmelsrichtung aus. Daher ist die Montierung nur auf dem Dach sinnvoll.
  2. Gewicht der Anlage beachten! Handelsübliche Elemente wiegen 25kg pro Quadratmeter. Für Deutschland gerechnet bedeutet das: Für 8qm² erhält man 1kWh. Eine 5kWh Solaranlage wiegt ohne Batterien und Inverter 1 Tonne. Kann Ihr Ponton das gesamte Gewicht einer Anlage tragen?
  3. Kippstabilität des Bootes beachten! Ist die Stabilität Ihres Bootes bei Installation gewährleistet?

Abwassersysteme

Umwelt

Das Einleiten von Toilettenabwässern in Gewässer ist verboten. Abwässer aus Dusche und Spüle einzuleiten ist zwar erlaubt, aber ebenfalls nicht ratsam. Aus Umweltschutzgründen sollte man unbedingt alles fachgerecht entsorgen.

Schmutzwasserhebeanlagen

Bei festen Liegeplätzen ist eine Schmutzwasserhebeanlage fast zwingend. Diese arbeitet automatisch und pumpt das Abwasser in ein höher liegendes Niveau. Wichtig ist, bei der Planung immer Reserven einzuplanen. Sollten sich durch veränderte Liegeplatzsituationen neue Distanzen und Höhen ergeben, ist man vorbereitet. Bei nicht fester Verrohrung sollte man Schläuche verwenden, die grundsätzlich geruchsdicht sind (Kennzeichnung ISO 8099).

Absaugstationen

In den meisten Marinas befinden sich Absaugstationen, die der ISO-Norm entsprechen. Damit saugen Sie ihr Abwasser einfach aus den passenden im Boot verbauten Tanks ab.

Kläranlagen

Individuelle Konfigurationen für kleinere Kläranlagen werden von einigen Herstellern angeboten. Diese liegen auch preislich weit unter den Anlagen, die man aus Schifffahrt und Hausbau sonst kennt.

Bilgenpumpen

Hier gibt es meist bereits Außenhautdurchbrüche (von z.B. Abläufen des Kühlsystems für Motor oder Generator, Versorgung des Wärmetauschers der Heizung, das Stevenrohr der Wellenanlage für den Antrieb), die dafür genutzt werden können. Zwei Arten von Bilgenpumpen können Anwendung finden:

  1. elektrische Bilgenpumpe mit manueller oder automatischer Aktivierung durch Sensor (durch regelmäßige Wartung ist sichergestellt, dass diese nicht verschmutzen)
  2. Handbilgenpumpen: sind stabil, funktionieren aber nur manuell

Küchenherde

Gasanlage

Um Strom zu sparen, ist es ratsam, einen Gasherd zu verwenden. Für Wassersportfahrzeuge gilt das Merkblatt G608 für Gasanlagen in Verbindung mit der ISO 10239. Den Link finden Sie hier: http://www.dvfg.de/aktuelles/mediathek/broschueren-und-flyer/. Die Anlage sollte von einem gewerblichen Hersteller erstgeprüft und alle zwei Jahre überprüft werden. Es gibt zwar keine Vorschrift dazu, allerdings sollte dieser geringe Aufwand im Sinne der Sicherheit kein Problem sein.


Frischwasserversorgung

Einbau der Tanks

Für den Einbau von Frischwassertanks sind ein paar Dinge zu beachten: Um eine hervorragende Wasserqualität zu behalten, sollte der Einbau nicht an besonders aufgewärmten Bereichen, sprich in der Nähe von Generatoren und Motoren stattfinden. Sollte der Einbau nur hier möglich sein, kann man auch mit einem schnellen Verbrauch oder chemischen Zusatzstoffen vorbeugen. Um den Trimm nicht zu gefährden, empfiehlt es sich, die Frischwassertanks immer so nah wie möglich am Verdrängungsschwerpunkt des Rumpfkörpers unterzubringen.

Bei symmetrisch angelegten Booten, ist das genau die Mitte. Dieser Bau sorgt dafür, dass die sich ändernden Füllzustände schiffsseitig kaum wahrgenommen werden. Gleiches gilt auch für die Abwasserversorgung. Ist es nicht möglich, aufgrund der Bauweise der Tanks diese mittig zu platzieren, ist eine rechnerische Prüfung des Trimms eine gute Lösung. Ist ein landseitiger Trinkwasseranschluss vorhanden, empfiehlt es sich in jedem Fall diesen zu nutzen.


Heizen und Kühlen

Heizleistung

Die Auslegung der Heizleistung hängt sehr stark von der Bauweise der Hausaufbauten ab. Durch die Anwendung unterschiedlicher Systeme muss die Heizleistung oft individuell berechnet werden. Für alle Heizsysteme gilt: Je besser das Hausboot isoliert wird, desto geringer muss die Energiezufuhr in Form von Strom oder fossilen Brennstoffen sein – selbst wenn ein Wärmetauscher oder die Sonnenenergie aushelfen.


Warmluftheizung

Schnelles Erwärmen

Es gibt auch eigens für die Anwendung auf Booten entwickelte Heizungen, die als Warmluftheizung oder auch als Warmwassererzeuger funktionieren und mit Diesel als Brennstoff laufen. Warmluftheizungen sorgen für ein schnelles Erwärmen, allerdings kühlen sich die Räume auch schneller wieder ab, da sich kaum Strahlungswärme entwickelt.


Kamine

Keine zusätzlichen Vorgaben

Handelt es sich bei dem Hausboot um ein CE-zertifiziertes Sportboot, muss man keine zusätzlichen Vorgaben für den Kamin an Bord erfüllen. Eine Norm zum Brandschutz auf kleinen Wasserfahrzeugen regelt allgemeine Vorgaben zu Fluchtwegen, Kochstellen und dergleichen. Kaminabzugsrohre auf fahrenden Hausbooten sollten wegen der eingeschränkten Durchfahrtshöhe demontierbar sein. Floating Homes hingegen müssen den regionalen Bauvorschriften genügen, die auch für den „normalen“ Hausbau gelten.