Leben auf einem Wohnschiff und was dabei zu beachten ist.

Leben auf einem Wohnschiff und was dabei zu beachten ist.

Steckbrief Wohnschiff:

Wohnschiff Name: D’n Aal
Alter: 100 Jahre
Geburtsort: Holland
Geschichte: ehemaliger Kies-Kutter, dann Kirchen-Schiff

Name: Isa Leitch
Beruf: Heilpraktikerin (http://holistic-health.berlin/)
Liegeplatz: Niederschöneweide

Wohnschiff
Wohnschiff
Wohnschiff
Wohnschiff

Auf was für einem Wohnschiff befinden wir uns? 

Auf einem alten Kies-Kutter mit dem Namen D’n Aal.

Wie alt ist es? 

Das Wohnschiff ist circa 100 Jahre alt, früher wurde mit dem Schiff Kies und Sand hin und her transportiert. Das Besondere am dem Wohnschiff ist, dass es vorne eine Kapitäns-Koje hat. Das war für damals etwas Besonderes. Sonst musste der Kapitän draußen auf dem Schiff schlafen. Dann hat die Kirche das Schiff gekauft und ist damit herumgefahren und hat die Messen gelesen.

Welche Größe hat Dein Schiff ?

Knapp fünf Meter breit und 25 Meter lang – es hat circa 70 Quadratmeter Wohnfläche.

Seit wann lebst Du auf deinem Wohnschiff ?

Seit einem Jahr konstant. Ich habe das Boot gesehen und mich sofort verliebt – ich habe irgendwie gedacht, das ist genau meins.

Wann ist deine Liebe zum Wohnen auf dem Wasser entstanden? Gab’ es einen bestimmten Anlass für dich?

Ich habe vor circa zehn Jahren in England das erste Mal Wohnschiff für mich entdeckt. Wir haben uns dort Kanalboote gemietet. Erst für Tagestouren, dann für Urlaube. Einige Zeit später haben wir auch den Winter über für ein paar Wochen auf einem Boot gelebt. Aber ich war nie länger als vier Wochen am Stück auf einem Boot. In England gibt es andere Boote als in Deutschland, Kanalboote, sogenannte Narrow Boats, diese sind 2-3m breit, unseres war 3m x 16m. Aber irgendwie so gebaut, dass man eigentlich ganz gut auf ihnen wohnen kann. Wir hatten ein Schlafzimmer, Küche mit Wohneinheit und ein Badezimmer. Die Boote sind ein bisschen einfacher gestrickt. Du musst beim Steuern immer draußen stehen, weil hinten der Tiller ist, mit dem Du arbeitest. Dafür kannst du aber auch alleine fahren, anlegen und die Schleusen machen, da sie sehr viel leichter sind.

Hat es lang gedauert, bis Du dem Wunsch auf dem Wohnschiff zu Leben nachgekommen bist?

In England habe ich angefangen zu merken, wie beruhigend Wasser ist und wie schön es ist, auf dem Wasser zu wohnen. Als alle Kinder aus dem Haus waren, wollte ich gerne nach Berlin. Drei von meinen Kindern wohnen hier und mein Enkel. Wie es der Zufall manchmal will, habe ich eine Heilpraktiker-Praxis gefunden, die ich übernehmen konnte, dabei wollte ich mich eigentlich nur über bestimmte Stoffwechselgeräte informieren. Das war vor einem guten Jahr. Anstatt in eine Wohnung zu ziehen wollte ich lieber aufs Wasser. Vom Wunsch bis zur Umsetzung waren es ca 10 Jahre.

Hast Du Möbel aus deinem alten Haus mitgenommen?

Nein, die waren alle schon drauf. Die Stühle habe ich neu bespannen lassen, der Teppich wurde notgedrungen letzten Winter reingelegt, aber der wird durch einen neuen, einfarbigen ersetzt. Ich habe einen riesengroßen Tisch, den ich hier reinstellen wollte, aber er passt leider nicht durch den normalen Zugang. Ich hatte sogar überlegt, ob ich das Fenster größer machen soll oder ein Loch in die Decke schneiden lasse, weil ich den echt gerne hier hätte – aber ich fürchte das klappt nicht.

Wie hast Du diese Liegeplatz gefunden?

Eigentlich hatte ich am Tempelhofer Hafen eine Zusage für einen Liegeplatz und daraufhin habe ich dieses Schiff gekauft. Dann hatte es sich ungünstigerweise so ergeben, dass der Platz wieder weg war, aber ich konnte zum Glück in der Rummelsburger Bucht zur Untermiete wohnen. Als der ursprüngliche Mieter seinen Platz im April wieder zurück brauchte, habe ich diesen Liegeplatz gefunden. Das war kurz vor knapp, aber ich bin mit diesem Platz mehr als glücklich.

Also Du vermisst die Rummelsburger Bucht mit Blick zur Hafenküche nicht?

Alles hat seine Vorteile, hier habe ich allerdings mehr Ruhe und kann draußen sitzen. Der andere Platz war sehr präsent, an den Wochenenden, schauten immer die Leute ins Boot. Wenn man Langeweile hat, ist es ganz nett, aber manchmal ist es auch einfach ein bisschen viel.

Gibt es generell einen Ort, an dem Du gerne mal liegen würdest?

Mitten in Berlin ist schon mein Lieblingsplatz.

Wo würdest Du gerne mit einem Wohnschiff Urlaub machen?

Ich habe schon mit Hausbooten in Italien Urlaub gemacht. Auch wenn die Hausboote dort eher wie Motoryachten oder große Plastikschiffe aussehen, war es sehr schön, dort durch die Flüsse und Kanäle zu fahren – sogar um Venedig herum. Ich würde gerne mal durch Frankreich fahren. Die Landschaft muss sehr schön sein. Wobei ich gehört hab, dass in Frankreich die Kanäle nicht ausgebaggert werden und es immer schwieriger wird, dort durchzufahren. Aber dafür muss man viel Zeit haben. Wenn ich unterwegs bin oder wenn ich losfahre, nehme ich mir immer doppelt so viel Zeit, als ich eigentlich bräuchte. Man weiß nie, was passiert.

Was kann denn beispielsweise passieren?

Man muss immer darauf gefasst sein, dass irgendwas passiert, womit man nicht gerechnet hat. Vor zwei Wochen wollte ich zum Beispiel mit Freunden die Müggelseerunde fahren. Dort haben wir dann am Langensee eine Pause gemacht. Als wir weiterfahren wollten, habe ich gemerkt, dass die Pumpe vom Haupttank in dem Tagestank nicht funktioniert und dass nicht mehr so furchtbar viel Diesel im Tagestank ist. Da mussten wir wirklich ganz langsam zurückfahren. Das Lustige ist: Du kannst stundenlang mit deinem Schiff unterwegs sein und bist trotzdem nur fünf Minuten von deinem Liegeplatz weg. Vom Langensee hätte man auch hierherlaufen können – theoretisch.

Gibt es etwas, was Du auf dem Wohnschiff vermisst?

Ich fühle mich sehr wohl auf meinem Hausboot. Das einzige Dilemma ist: Ich bin eigentlich kein Mensch, der gerne alleine wohnt. Ich wohne zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt alleine. Ich habe viele Geschwister und viele Kinder. Natürlich hat es auch hat Vorteile alleine zu sein. Aber am liebsten wäre mir ein großes Hausboot mit einer Wohngemeinschaft – das wäre mein Ideal. Das müsste sehr groß sein, wahrscheinlich so groß, dass man es nicht mehr fahren kann.

Wären ein Floating Homes eine Alternative?

Nein, auf keinen Fall. Eine andere Alternative wäre wahrscheinlich – aber das ist komplett illusorisch mitten in Berlin – Liegeplätze zu haben, an dem man einfach mit anderen Wohnschiffbesitzern zusammen lebt, mit denen man sich gut versteht. Also, dass die Gemeinschaft drum herum ist.

Hast Du einen bestimmten Lieblingsplatz hier auf dem Hausboot?

Wenn das Wetter schön ist, sitze ich oft gerne draußen auf dem Steuerhaus. Und im Winter sitze ich oft oben im Steuerhaus.

Gibt es eine bestimmte Jahreszeit, die Du am liebsten hast?

Der Sommer ist mir am liebsten.

Welche Herausforderungen gibt es im Winter?

Die niedrige Temperatur ist eigentlich die größte Herausforderung. Die Hausboottechnik hier drin ist sehr alt. Manchmal fällt sie aus, dann muss ich sie abkühlen lassen, ein paar Mal dagegen treten, dann wieder anschalten und schauen, ob sie dann geht. Manchmal habe ich drei bis vier Stunden gebraucht, bis sie wieder funktionierte. Und es ist nicht nur die Kälte an sich, mit der man mit warmer Kleidung, Wärmflaschen und Wolldecken kämpft. Wenn es in harten Wintern draußen minus 25 Grad sind, bekommt man nach und nach Panik und denkt: Was passiert, wenn mir hier jetzt die Sachen einfrieren? Es ist körperlich anstrengend, wenn es so kalt ist. Teilweise habe ich mir den Wecker eine Stunde früher gestellt, um mir schnell einen Tee zu machen und bei sechs, sieben Grad die Heizung anzumachen. Dann bin ich wieder für eine Stunde zurück ins Bett, bis es so warm war, dass ich nicht auf dem Fußboden festklebe. Deswegen habe ich mir jetzt auch eine neue Heizung besorgt.

Hältst Du dich im Winter besonders fit um auch gesundheitlich am Start zu bleiben?

Einfach auf dem Boot zu wohnen, erfordert schon mehr als in der Wohnung. Alleine dadurch, dass ich die ganze Zeit in Bewegung bin, rauf und runterklettern muss, Wasser holen, den Hydranten nach oben schleppen, Einkäufe herschleppen, Kisten schleppen – das sind genug körperliche Sachen, die ich machen muss, um das tägliche Leben zu leben. Dann fahre ich Fahrrad – nicht so oft, wie ich möchte und nicht so oft wie ich sollte. Und ansonsten bin ich Heilpraktikerin, spezialisiert auf Ernährung und chronische Erkrankungen. Aber voll im Bilde sein und umsetzen, sind dann doch noch zwei verschiedene Sachen. Aber meistens klappt das schon.

Warum wolltest Du nach Berlin ziehen, was gefällt dir hier besonders?

Berlin bietet eine schöne Kombination aus Natur und Stadt. Hier ist unheimlich viel Wasser, viel Wald. Ich habe vor ein paar Wochen einen Specht im Plänterwald gesehen, der seine Jungen gefüttert hat. Mitten in der Stadt. Das find ich total klasse! An Veranstaltungen gibt es auch alles – von Kino, Theater über Tanzen bis hin zu Ausstellungen. Wenn du auf irgendwas Lust hast, kannst du immer irgendwas finden.

Vielleicht verrätst Du uns deinen Lieblingsplatz in Berlin?

Es gibt viele schöne Plätze. Ich mag es nicht, wenn irgendwo wahnsinnig viele Touristen sind. Es muss schon irgendwie etwas Ursprüngliches haben. Mein Lieblingsviertel ist Schöneberg, wobei es ja schon ein relativ großes Viertel ist. Ich mag die Parks und ich mag am Wasser entlanggehen. Die Prinzessinnengärten find ich beispielsweise auch schön.

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