Das Hausboot von Daniel Roesner - Ein Einblick in ein Leben auf dem Wasser.

Das Hausboot von Daniel Roesner - Ein Einblick in ein Leben auf dem Wasser.

Daniel Roesner sagt: Home Is Where My Boat is. Der Traum vom gesellschaftlich und örtlich losgelösten Hausboote-Wohnkonzept muss nicht nur ein Traum bleiben. Der Schauspieler und Umweltaktivist, bekannt aus dem TV-Format „Alarm für Cobra 11“, hat sich diesen Traum erfüllt. Er lebt auf seinem 15 Meter langen Stahlverdränger mitten in der Rheinmetropole Köln. Für ihn gibt es nichts Besseres. Und nach einem Besuch an Bord seines schaukelnden Zuhauses können wir das mehr als nachvollziehen…

Das Hausboot von Daniel Roesner

Daniel Roesner kniet auf der Treppe zum Steuerhaus und fummelt sich ein großes Stück Holz aus einem Vorsprung unter der Sitzecke. Im Hintergrund dudelt Bob Marley durch die Boxen. Daniel schiebt einen Holzscheit zusammen mit einigen zerknüllten Seiten eines alten Drehbuchs in den Bollerofen. „Das Holz stammt vom Hof meiner Eltern. Immer wenn ich da bin, nehme ich mir einen großen Haufen mit an Bord.“ Streichholz an und das Feuer knistert vor sich hin. Eine gemütliche Wärme breitet sich über das komplette Schiff aus.

Der aktuelle Hauptdarsteller der RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“ geht es nach der Arbeit gerne gemütlich an und lebt jetzt seit über einem Jahr auf seinem 15 Meter langen Stahlverdränger mitten in Köln. „Ich lebe nicht auf dem Boot, weil es ein PR-Gag sein soll oder ich irgendwie dadurch auf mich aufmerksam machen wollte, sondern weil es mein innigster Wunsch ist. Ich habe vorher in meinem VW Bus gelebt, wo mir jedoch die Verbindung zum Wasser gefehlt hat: Ich musste immer ans Wasser fahren.

Nun habe ich es geschafft, auf dem Wasser zu leben. Für mich ist das Leben auf dem Boot die absolute Verbindung zum nassen Element. Ich kann so authentisch meinem Ziel, die Gewässer und Meere zu schützen, entgegengehen. Ich lebe nicht an Land und erzähle aus der Ferne, dass wir unsere Gewässer vermüllen. sondern ich sehe es jeden Tag, wie hier der Dreck vorbeischwimmt und später im Ozean landet. Ich kann die Wichtigkeit des Gewässerschutzes authentischer kommunizieren und zukünftig mehr Einfluss auf eine positive Entwicklung haben!“

Naturschutz ist bei Daniel Roesner schon seit jeher Programm und er nutzt seine Prominenz, um andere Leute für das Thema zu sensibilisieren. Außerdem ist er selber regelmäßiger Gast in den Wellen der Welt. Ob Wellenreiter, SUP oder Kite, Daniel Roesner unterscheidet hier nicht – Hauptsache, es macht Spaß und er ist im Wasser.

Macht es denn auch auf Dauer Spaß, auf limitiertem Platz zu leben und sich mit dem zu begnügen, was ein Boot an Stauraum und Wohnfläche hergibt? „Für mich ist es ein Riesen-Upgrade: Ich habe ja vorher in einem VW Bus gelebt und plötzlich habe ich fast 50 Quadratmeter Wohnfläche samt Dachterrasse. Aber ich mag es grundsätzlich, auf limitiertem Raum zu leben. Erstens muss man weniger sauber machen, zweitens müllt man sich nicht mit unnötigem Zeugs zu. Das ist echt befreiend und eine riesige Entlastung. Der einzige Luxus, den ich hier an Bord habe, sind mein neuer Beamer [lacht] und mein Mixer, mit dem ich mir ständig irgendwelche Power-Drinks mache. Zum Boot selbst kam Daniel Roesner klassisch über das Internet.

Was sollte man für eins kaufen, wie groß muss es sein, welche Rumpfformen sind die besten, welcher Motor der zuverlässigste und sparsamste? Es war eine lange Recherche. „Ich wollte immer eine Art Trawler haben, etwas Hochsee-Artiges. Dieses Boot, Baujahr 1984 wie ich selber, ist ein ,One Off‘, sprich, ein einmaliger Entwurf einer holländischen Werft mit starkem Motor. Es ist nicht wirklich hochseetauglich, hat aber die Optik. Ich hatte mir zwischenzeitlich zehn andere Boote angeschaut, dieses hier überzeugte am Ende, und das nicht nur durch den Preis. Es hat einen Stahlrumpf, was wichtig für mich war. Ich verachte ja Plastik, daher wäre mir ein GFK-Rumpf nicht untergekommen, außerdem ist Stahl viel stabiler und man kann auch mal irgendwo anecken, ohne gleich größeren Schaden anzurichten. Dann hat es einen sparsamen, aber kräftigen Motor, damit ich mit den 30 Tonnen, die das Boot wiegt, auch gegen die Strömung des Rheins ankomme.

Was mich ebenfalls überzeugt hatte, war, dass ich sofort einziehen konnte. Ich musste zu der Zeit dringend eine Bleibe finden, da die Dreharbeiten für ,Cobra 11‘ begonnen hatten. Es bot aber genügend Potenzial, um es so umzubauen, wie ich es gerne hätte. Also habe ich die Teppiche rausgerissen, die Verkleidung und Dämmung erneuert, eine neue Küche angepasst, das komplette Schiff anthrazit gestrichen und ein neues, gemütliches Sofa und einen Holzofen eingebaut. Im Sommer kommen noch Solarzellen drauf und dann bin ich zu 100 Prozent autark.“

Vermisst er nicht trotzdem ab und an mal eine „normale“ Wohnung in der Stadt? Daniel Roesner: „Mein Schiff hat alles, was man zum Leben in der Stadt braucht. Von einer funktionierenden Toilette und Dusche über die Küche bis hin zu Badezimmer, Gästezimmer und Wohnzimmer, es fehlt einem an nichts und das war mir auch wichtig. Ich arbeite teils 14 Stunden am Tag, wenn du dann nach Hause kommst und beispielsweise nicht warm duschen kannst, dann nervt das irgendwann. Trotzdem fühlt es sich an wie Camping. Wenn man die Hängematte an Deck aufspannt und unterm Sternenhimmel hin und her schaukelt. Mach das mal bei dir zu Hause in der Stadt…“ [lacht]

Die Freiheit, das zu machen, was man will, ist für Daniel Roesner das größte Gut. „Mein Beruf ist ja auch super-unsteady. Wenn RTL morgen sagt, die Sendung ist vorbei, dann ist damit auch meine Zeit in Köln vorbei. Zu wissen, dass ich jederzeit die Leinen losmachen und ablegen kann, fühlt sich wirklich gut an. Das ist ein Gefühl von völliger Unbeschwertheit. Auch wenn es mir hier, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr gefallen sollte, dann schmeiße ich den Motor an und ziehe um. Man hat keine Verlustängste, die man hat, wenn man in einer Wohnung lebt. Wenn ich will, bin ich morgen in einer anderen Stadt oder mitten in der Natur und habe mein Haus einfach dabei.“

Auf die Frage, was es kostet, mit seinem Boot in einer deutschen Metropole zu ankern, sagt Daniel Roesner: „Es ist viel günstiger als eine normale Wohnung. Dennoch kostet natürlich auch ein Boot in der Anschaffung und im Unterhalt Geld. Aber es ist am Ende wirklich ein Bruchteil dessen, was ich für die gleiche Quadratmetergröße in der Stadt zahlen würde. Um es sich zu verdeutlichen, kosten mich der Liegeplatz und Unterhalt ungefähr so viel wie eine 30-Quadratmeter-Wohnung im letzten Eck Kölns.“ Für ganz viele Leute bleibt das Hausbootleben ein romantischer Gedanke, der als Lebenskonzept zu exotisch und eher unnormal gilt. Es ist also von Vorteil, wenn man sich den Gesellschaftlichen Normen entziehen kann und sein eigenes Ding macht. Von seiner eigenen Terrasse in den Rhein pinkeln zu können ist halt nichts für jeden und das ist auch ok so.

Stahlverdränger

Baujahr – 1984
Motor – Diesel DAF 575 (120 PS) aus altem Lkw, nicht maritimisiert, mit Kühler unter dem Schiff Laufzeit – ca. 2500 Stunden Gewicht – 30 Tonnen
Tiefgang – 1,20 Meter
Topspeed – 13 km/h
Heimathafen – Köln
Frischwassertank – 800 Liter
Abwassertank – 350 Liter
Strom – 12 V, 24 V, 220 V

by Lars Jacobsen http://larsjacobsen.com

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